Entschuldigung für die späte Stellungsnahme, nochmals vielen herzlichen Dank für die mitgeteilten Sorgen,
Unsere Lage ist folgende:
Das Beben hatte hier eine Stärke von 6+ (da tanzt das Klavier), die erste Nacht darauf haben wir, wie viele Andere im Auto verbracht. Ab dem nächsten morgen wurde der Strom wieder angeschaltet. Es gab hier Schäden an größeren Gebäuden (Fabrikhallen usw.) und 3 Todesopfer in der Tochigi Präfektur. Wir hatten/haben noch viele Nachbeben, aber diese lassen langsam nach. Die Zeitung wird seit einigen Tagen geliefert und auch der Müll wird abgeholt. Das Leben hier 200 km vom Zentrum und 120 km von den Kraftwerken hat sich “normalisiert”, was nicht heisst, das wir nicht aufpassen. das Radio läuft den ganzen Tag, bei stärkeren Nachbeben bleibt etwas Zeit zu reagieren.
Die Sicherheitszone um die Reaktoren wurde auf 30 km ausgeweitet, dort ist die Situation tatsächlich Fatal, die Sicherheitsbestimmungen für diese Ausnahmefälle sind, wie auch immer, so festgelegt, dass der größtteil der Bevölkerung ungeschoren davon kommt. Dieser Teil der bevölkerung wird aufgefordert, in den Häusern zu bleiben und kein Leitungswasser oder belastete Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, Auch die sonstigen Fakten sind die gleichen, wie in der Rest der Welt mitgeteilt, nur die Präsentation ist hier mildernd, eine Massenpanik wäre eineweitere Katastrophe. Die deutschen Nachrichten jedenfalls sind sehr spektakulär.
Was ich zumindest als beruhigend empfinde, sind die ungefähr 90 km Gebirge zwischen uns und den Kraftwerken, was auch im schlimmsten Falle eine direkte Strahlung verhindert und die Scannings in der Präfektur. Tatsächlich hat sich die Strahlung hier um einige zehntel mikrosievert erhöht aber das schwankt mit dem Wind und seitdem gestern die Kaltfront aus dem Westen kommt scheint sich der Wind laut Wetterbericht zum Meer zu drehen.
Obwohl hier nicht aufgefordert wurde in den Häusern zu bleiben, vermeiden wir es nach Möglichkeit nach draussen zu gehen. Diese Vorsorgemaßnahme wird laut Medien ab 5 Mikrosievert empfohlen, davon sind wir noch entfernt.
Sollten alle Stricke reissen, ist der Rucksack mit Notwendigsten gepackt, um eventuell über die Nordseite, Grossraum Tokyo umfahrend, nach Nagoya, besser Osaka aufzubrechen.
Es sind verschiedene Kriterien, die eine plötzliche Abreise erschweren – einerseits, die Unklare Verkehrslage. Viele Autobahnen sind für Versorgungstransporte gesperrt. Weiter,da der Strom in großteilen des Kantogebietes momentan schichtweise verteilt wird, fahren Züge unregelmäßig, was viele Leute dazu veranlasst hat nochmal schnell vollzutanken und die Tankstellen werden momentan nicht regelmäßig aufgefüllt, weil die Reserven momentan verstärkt im Norden gebraucht werden. Da die sonstige Infrastruktur von eh her nicht gut ist, ist hier überall schnell Stau. – andereseits, vielleicht für viele nicht nachvollziehber, aber meine ist Japanerin, das heist, ihre gesamte Familie ist hier gebunden, ohne die Perspektive hier wegzukommen, von Freunden und der restlichen Bevölkerung (inklusive zerstörte Städte in direkter Umgebung der Fukushima Akw-s) nicht zu sprechen.
Ein Problem im Falle einer Ausreise könnte sein, das der Kleine noch kein Reisepass hat, es würde einige Tage dauern, diesen zu bekommen.
so bleibt erstmal nichts Anderes als mich mit Fakten, soweit möglich, zumindest annähernd auseinander zusetzen (ohne das ich jetzt mit Daten umherschmeissen möchte). Das hilft, die Angst zu nehmen (das ist schlimmer als die Strahlung). Also statt Aufforderungen, hier möglichst schnell wegzukommen, bitte ich euch nützliche Fakten zu posten, die die Sache verstehen machen.
Auch danke ich sehr für jegliches materielles unterstützungsangebot, doch hier fehlt es uns wirklich an nichts notwendigem, ich möchte lieber erinnern, das sich das Drama etwa 200 kilometer nördlicher abspielt, die Menschen dort, Viele, haben Alles verloren. Wer also auf diese Weise helfen möchte, der möge seine Spenden bitte an Notdürftige leiten.
Und selbstverständlich ist das Wohl der Kinder uns am wichtigsten, doch im Angesicht der Tatsachen fällt eine letzte Entscheidung bei dieser Frage erstaunlich schwer. Daher bitte ich euch die Hoffnung nicht zu verlieren, noch um etwas Geduld und versucht euch ein Bild von der ganzen Situation vor Ort zu machen.
Ich melde möglichst schnell, falls sich etwas an unserer Situation ändert,
bis dahin, Nippon Ganbare!
it came so suddenly, we are in Kyoto now and just booked a flight to Germany, there are a lot of flights especially for foreign people in cooperation with the embassys please take care of yourself whereeveryou are, I´d really love to meet you to again. If I can be of any help, please write whenever..
greetings
Nippon
vor 8 Stunden via ·
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